Jul 102019
 

DGE veröffentlicht überarbeitete Referenzwerte


D-A-CH-Referenzwerte

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat auf Basis aktueller wissenschaftlicher Daten die Referenzwerte für die Zufuhr von Zink und Vitamin B6 überarbeitet.

Neu ist, dass die empfohlene Zufuhr von Zink für Erwachsene nun abhängig von der Höhe der Phytatzufuhr angegeben wird. Eine hohe Zufuhr von Phytat, das vor allem in Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten vorkommt, kann die Bioverfügbarkeit von Zink um bis zu 45 % vermindern. Deshalb werden die Referenzwerte für die Zinkzufuhr jetzt differenziert für eine niedrige, mittlere und hohe Phytatzufuhr angegeben. Eine vollwertige Ernährung nach den 10 Regeln der DGE weist eine mittlere Phytatzufuhr auf, bei der die empfohlene Zufuhr pro Tag für Frauen 8 mg und für Männer 14 mg beträgt.

Die empfohlene Zufuhr von Vitamin B6 wird jetzt auf Basis von Bilanzstudien mit dem Biomarker Pyridoxal-5‘-Phosphat (PLP) abgeleitet und nicht mehr wie zuvor anhand der Referenzwerte für Protein. Die aktuelle Studienlage weist darauf hin, dass der Vitamin-B6-Bedarf bei einer üblichen Mischkost nicht von der Proteinzufuhr abhängig ist. Der Biomarker PLP ist die wesentliche Speicherform von Vitamin B6 in der Muskulatur und auch im Blutplasma zirkuliert Vitamin B6 vorwiegend als PLP. Die aktualisierte empfohlene Vitamin-B6-Zufuhr liegt bei 1,4 mg pro Tag für Frauen und 1,6 mg pro Tag für Männer.

Für die beiden Nährstoffe Zink und Vitamin B6 hat die DGE jeweils ein FAQ-Papier mit praxisbezogenen Fragen und Antworten zusammengestellt. Diese sind – ebenso wie die aktualisierten Referenzwertetabellen für alle Altersgruppen – kostenfrei im Internet zugänglich. Die wissenschaftliche Ausarbeitung zu den aktuellen Referenzwerten für Zink und Vitamin B6 kann als 4. Ergänzungslieferung zum Ringordner „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“, Artikel-Nr. 120116 (ISBN 978-3-88749-265-6) zum Preis von 3,00 EUR zzgl. Versandkosten über den DGE-MedienService, www.dge-medienservice.de, Tel.: 0228 9092626, Fax: 0228 9092610, E-Mail: info(at)dge-medienservice.de bestellt werden.

Jun 282019
 

DGE wird Mitglied im Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit


Logo Kooperationsverbund GCDie Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) tritt zum 1. Juli 2019 dem Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit bei. Als neue Partnerin möchte die DGE zu einer erfolgreichen Gesundheitsförderung für sozial Benachteiligte beitragen. „Unser Ziel ist es, die Aufklärung, Beratung und Angebote zur vollwertigen Ernährung voranzubringen, deren Qualität zu sichern und dadurch die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu fördern. Daher passt die neue Mitgliedschaft sehr gut zu unserem Auftrag“, erklärt DGE-Geschäftsführerin Dr. Kiran Virmani. “Unser Portfolio umfasst zahlreiche zum Kooperationsverbund passende Maßnahmen und Medien für Verbraucher, Fachkräfte und Multiplikatoren. Damit tragen wir dazu bei, wissenschaftlich basierte Ernährungsinformationen an die entsprechenden Zielgruppen der Bevölkerung zu transportieren und die Kompetenzentwicklung der Menschen zu fördern.“

So gibt es die 10 Regeln der DGE für gesundheitsförderndes Essen und Trinken beispielsweise auch in Leichter Sprache sowie auf Türkisch. Zur Beratung von türkischsprachigen Personen mit Diabetes mellitus Typ 2 erarbeitet die DGE derzeit spezielle Materialien. Ein bewährtes Instrument zur Förderung der Verhältnisprävention sind die DGE-Qualitätsstandards. Sie umzusetzen trägt dazu bei, dass Menschen in den Lebenswelten Kita, Schule, Betriebe, Senioreneinrichtungen sowie Krankenhaus und Rehakliniken Zugang zu einer gesundheitsfördernden Verpflegung erhalten. „Wir freuen uns daher, unser Wissen nun auch in den Kooperationsverbund einzubringen und dieses Netzwerk zu stärken“, sagt Virmani.

Hintergrund: Die Gesundheit von Bevölkerungsgruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status ist laut der Gesundheits- und Sozialberichte von Bund und Ländern schlechter und ihre Lebenserwartung kürzer als von sozioökonomisch Bessergestellten. Insbesondere Migranten sowie Kinder aus benachteiligten Familien haben vielfältige Gesundheitsprobleme. Beispielsweise sind Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien häufiger von Adipositas betroffen, wie die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) zeigte. Auch bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund gibt es eine höhere Übergewichtsrate als bei Kindern ohne Migrationshintergrund.

Der Kooperationsverbund setzt sich für eine Verminderung der sozialen Ungleichheit von Gesundheitschancen ein. Er vernetzt dazu Akteure und entwickelt koordinierte Problemlösungsstrategien. Ziel ist es, die soziallagenbezogene Gesundheitsförderung in der (fach-)öffentlichen Wahrnehmung wie in der praktischen Umsetzung zu fördern und weiterzuentwickeln.

Jun 242019
 

DGE-Arbeitstagung am 3. und 4. September 2019 in Bonn


AnkündigungsplakatMit der großen Reichweite des Internets und mobiler Technologien können heute sehr viele Personen in kurzer Zeit erreicht werden, wie es traditionelle, „analoge“ Kommunikationsformen nur mit einem erheblichen Ressourcenaufwand vermögen. Die neuen Informationsmöglichkeiten sind jederzeit und überall nach Bedarf abrufbar und können auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Das betrifft auch die Ernährung. Hier gibt es eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Online-Ratgebern, Fitness-Apps, Food-Tracker, Ernährungstagebüchern, Rezeptdatenbanken – mit all diesen Angeboten können wir unser Ernährungsverhalten überdenken, analysieren und auswerten. Welche Herausforderungen und Chancen sich im digitalen Zeitalter für die Ernährungsberatung und das Ernährungsverhalten ergeben, thematisiert die DGE-Arbeitstagung am 3. und 4. September 2019 auf den Bonner Ernährungstagen in der Stadthalle Bad Godesberg.

Am ersten Veranstaltungstag geht es in Sachen Ernährungsverhalten um neue technologische Entwicklungen, Fallbeispiele und evidenzbasierte Bewertungen zur Wirksamkeit von Maßnahmen. Rund um das Thema Ernährungsberatung früher, heute und vor allem morgen dreht sich der zweite Veranstaltungstag. Wie kann Ernährungsberatung zukunftsfähig agieren und Hilfestellung leisten, die Vielzahl und Qualität der Informationen angemessen einzuordnen? Abschließend diskutieren im „Bonner Ernährungstalk“ Experten und Teilnehmende gemeinsam, unterstützt durch einen digitalen Chat, über die Qualität der Ernährungsberatung.

Neu bei den Bonner Ernährungstagen ist die Sonderausstellung „Sehen, schmecken, entdecken: Forschung erleben“. Sie stellt Forschungsvorhaben vor, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert. Die Ausstellung präsentiert anschaulich und praxisnah aktuelle wissenschaftliche Projekte und Forschungsvorhaben zu Ernährung und Verbraucherverhalten. /p>

Die diesjährige Arbeitstagung richtet sich an Ernährungsfachkräfte aus den Bereichen Bildung und Beratung, Wissenschaftler, Studierende sowie Vertreter aus Institutionen, Verbänden und Politik. Wissenschaftlich geleitet wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Britta Renner, DGE-Fachgruppe Ernährungsverhaltensforschung und Prof. Dr. Christine Brombach, DGE-Fachgruppe Ernährungsberatung.

Die DGE-Arbeitstagung ist Teil der „Bonner Ernährungstage“, die in diesem Jahr zum dritten Mal gemeinsam mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) stattfinden. Das BZfE-Forum „Mehr oder weniger?! – Lebensstiländerung als gesellschaftliche Herausforderung“ schließt sich am 5. September 2019 an.

Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken bietet die gemeinsame Abendveranstaltung am 4. September 2019 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland.<7p>

Das ausführliche Programm, weitere Informationen und Anmeldung zur DGE-Arbeitstagung bzw. zu den Bonner Ernährungstagen unter www.dge.de/at2019.

Mai 152019
 

DGE informiert zur Zöliakie-Aktionswoche vom 11.-19. Mai 2019


DGE-Infothek ZöliakieIn Deutschland ist etwa 1 % der Bevölkerung von Zöliakie betroffen. Die Autoimmunerkrankung beruht auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideeiweiß Gluten. Das auch als „Klebereiweiß“ bekannte Gluten ist in Getreide wie Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen und Gerste enthalten und bestimmt die Backeigenschaften des Mehles. Bei einer entsprechenden genetischen Veranlagung führt der Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln zu entzündlichen Veränderungen der Dünndarmschleimhaut.

Therapie – lebenslang glutenfrei ernähren

Die einzige Erfolg versprechende Therapie der Zöliakie ist es, lebenslang vollständig auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten. Das erfordert eine strikte Ernährungsumstellung. Für Zöliakiebetroffene stellen glutenfreie Lebensmittel eine wesentliche Erleichterung beim Lebensmitteleinkauf dar. Glutenfreie Lebensmittel werden in Supermärkten, Drogerien, Bioläden und Reformhäusern vielfältig angeboten und die Auswahl nimmt ständig zu. Für eine glutenfreie Ernährung geeignete Produkte sind als „glutenfrei“ gekennzeichnet. Zudem können glutenfreie Produkte das Symbol der „Durchgestrichenen Ähre“ der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e. V. (DZG) tragen.

„Auch wenn anhand des stark wachsenden Angebotes in den Lebensmittelregalen der Eindruck entstehen könnte, glutenfreie Produkte seien grundsätzlich gesundheitsfördernd, sind diese Lebensmittel speziell für Menschen mit einer Unverträglichkeit gegen das Getreideeiweiß entwickelt worden“, sagt DGE-Sprecherin Antje Gahl. „Für andere Verbraucher bringt eine glutenfreie Ernährung, die teilweise mit großen Einschränkungen verbunden ist, keine gesundheitlichen Vorteile. Die Spezialprodukte sind außerdem meist deutlich teurer.“

Mit der aktuell überarbeiteten DGE-Infothek “Essen und Trinken bei Zöliakie” unterstützt die DGE Ernährungsfachkräfte in der Beratung, die das Medium auch an Menschen mit Zöliakie weitergeben können. Betroffene erfahren, wie sie sich trotz der Einschränkungen, die eine glutenfreie Ernährung mit sich bringt, ausgewogen und abwechslungsreich ernähren können. Die Broschüre informiert außerdem über das Krankheitsbild, die Ursachen, die Symptome und die Diagnostik. Tipps zur Lebensmittelauswahl und -zubereitung sowie zum Umgang mit Diätfehlern erleichtern den Einstieg in die Ernährungsumstellung. Außerdem geht die Broschüre auf die Kennzeichnung von Gluten sowie Hafer in der glutenfreien Ernährung ein.

Vielfältige Symptome bei Zöliakie

Die Zöliakie entwickelt sich durch erbliche Veranlagung, daher tritt die Krankheit gehäuft familiär auf. Die Anzeichen einer Zöliakie sind vielfältig. Die auffälligsten Symptome beim Säugling und Kleinkind sind ein aufgeblähter Bauch, der in Kontrast zu einem mageren Körper steht. Die Blähungen kommen durch unverdaute Nahrungsbestandteile im Dickdarm zustande, die von Bakterien unter Gasbildung verdaut werden. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich häufig ein Untergewicht. Im Erwachsenenalter führt die gestörte Nährstoffausnutzung meist zu Gewichtsverlust sowie einem Vitamin- und Mineralstoffmangel. Die Betroffenen klagen über Völlegefühl, Blähungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie über gelegentliche oder fortwährende Durchfälle.

Was tun bei Verdacht auf Zöliakie?

Bei Verdacht auf Zöliakie erfolgt die Diagnose bei einem Facharzt (Gastroenterologe) vor allem durch den Nachweis zöliakietypischer Antikörper im Blut und durch den Nachweis der Dünndarmschädigung mittels Gewebeproben aus der Dünndarmschleimhaut. Eine sichere Diagnose kann nur unter einer Ernährung mit einer ausreichenden Glutenzufuhr erfolgen. Daher sollte auf keinen Fall glutenfrei oder glutenarm gegessen werden, bevor die Zöliakie sicher festgestellt ist. Nach erfolgter Diagnose kann die Zöliakie nur durch einen lebenslangen Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel behandelt werden. Das konsequente Meiden von Gluten behandelt allerdings nur die Symptomatik, die eigentliche Krankheit bleibt ein Leben lang bestehen. Selbst kleine Mengen an Gluten können erneut Beschwerden auslösen.

Die 28-seitige Broschüre kann unter der Art.-Nr. 123020 zum Preis von 1,00 EUR zzgl. Versandkosten beim DGE-MedienService bestellt werden: Tel.: 0228 9092626, Fax: 0228 9092610, E-Mail. info(at)dge-medienservice.de, www.dge-medienservice.de.

Mai 082019
 
Koordinierungskreis definiert Qualität für Ernährungsberatung und Ernährungsbildung
Ernährungsberatung FrontalunterrichtDer Koordinierungskreis „Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung“ formierte sich neu und aktualisierte seine Rahmenvereinbarung, die für mehr Transparenz und Schutz der Verbraucher sorgt.

„Unser gemeinsames Ziel ist, die Qualität in der Ernährungsberatung zu sichern und Verbraucher bei ihrer Suche nach einer Ernährungsfachkraft zu unter­stützen. Denn die Bezeichnung Ernährungsberater ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Das macht es schwierig, seriöse von unseriösen Angeboten in der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung voneinander zu unterscheiden. Die Qualifikation der Ernährungsfachkraft ist ein wesentliches Kriterium für eine bestmögliche Beratung“, sagte DGE-Geschäftsführerin Dr. Kiran Virmani in ihrer Funktion als neue Sprecherin des Koordinierungskreises.

„Ernährungsfachkräfte wie Diätassistenten werden über drei Jahre mit mehr als 4 000 Unterrichtsstunden theoretisch und praktisch ausgebildet. Im Gegensatz dazu beinhalten Fortbildungen für Interessierte ohne spezifische Grund­qualifikation zum Ernährungsberater, Ernährungscoach oder Gesundheits­berater nur einige Tage oder Wochen. Auch mehrmonatige Fernkurse mit etwa 500 Stunden bieten keine umfassende Ausbildung“, erklärte Virmani.

Mit dem Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) haben sich dem Koordinierungs­kreis zwei neue Mitglieder angeschlossen. Das Gremium setzt sich nun aus zwölf Institutionen verschiedener Fachgebiete – Berufsverbände, Fachgesellschaften, Fort­bildungs­träger und Verbraucherschutzorganisationen – zusammen.

Aktualisierte Rahmenvereinbarung veröffentlicht

Die Rahmenvereinbarung des Koordinierungskreises, die Standards für die Qualitätssicherung und den Verbraucherschutz in der Ernährungsberatung beinhaltet, wurde am 29. April 2019 aktualisiert veröffentlicht. Sie definiert die Anforderungen an Fachkräfte, die Ernährungsberatung bzw. -therapie sowie Maßnahmen der Ernährungsbildung durchführen. Für die primärpräventive Ernährungsberatung kommen beispielsweise folgende Berufsgruppen in Frage: Diätassistenten, Ernährungsmediziner und Absolventen eines Studiums der Oecotrophologie, Ernährungswissenschaften oder eines fachverwandten Studien­ganges entsprechend der DGE-Zulassungskriterien.

Eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung erachtet der Koordinierungskreis für die anspruchsvollen Tätigkeitsbereiche der Ernährungsberatung als zwingend notwendig. Er fordert zudem, dass Maßnahmen der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung frei von Produktwerbung und/oder Produktverkauf sein müssen.

Bundesweite Adressen von Fachkräften und Angaben zu ihren Beratungs­schwerpunkten sowie Checklisten zu einer produktneutralen Beratung finden Interessierte über www.wegweiser-ernaehrungsberatung.de.

Apr 302019
 

BfR und MRI sehen keine evidenzbasierten Erkenntnisse für kausalen Zusammenhang


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Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) könnten neuartige Infektionserreger, die sogenannten „Bovine Milk and Meat Factors“ (BMMF), chronische Entzündungen verursachen, die die maligne Entartung von Zellen in Brust und Dickdarm und damit die Krebsentstehung fördern könnten 1.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Max Rubner-Institut (MRI) kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung möglicher Gefahren durch sogenannte BMMF als potentielle Krebsrisikofaktoren aufgrund unzureichender Datenlage derzeit nicht möglich ist 2.

Analog zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfehlen BfR und MRI daher

  • den Fleischverzehr zu begrenzen. Wer Fleisch isst, sollte nicht mehr als 300 bis 600 g pro Woche verzehren. Grundlage hierfür sind die bisherigen Evidenzbewertungen zum Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem sowie verarbeitetem Fleisch und einem erhöhten Darmkrebsrisiko.
  • Kuhmilch und daraus hergestellte Produkte weiterhin zu essen.

Entsprechend den 10 Regeln der DGE sollten tierische Lebensmittel wie Milch- und Milchprodukte, Fleisch, Ei und Fisch grundsätzlich in kleineren Mengen ergänzend zu hauptsächlich pflanzlichen Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte verzehrt werden.

Bislang wurden BMMF laut DKFZ in Kuhmilch, Kuhmilchprodukten und Blutserum gesunder Rinder nachgewiesen. Das Krebszentrum vermutet, dass Säuglinge mit noch nicht ausgereiftem Immunsystem innerhalb ihres ersten Lebensjahres beim Zufüttern von Kuhmilch mit BMMF infiziert werden. Sie schlussfolgern, Säuglinge nicht zu früh mit Kuhmilch zu ernähren. Für die Ernährung von Säuglingen ist das Stillen zur Vorbeugung gegen verschiedene Krankheiten grundsätzlich zu befürworten. Laut offizieller Handlungsempfehlungen sollen Säuglinge im 1. Lebenshalbjahr gestillt werden, mindestens bis zum Beginn des 5. Monats ausschließlich 3.

Die vorliegenden Ergebnisse aus epidemiologischen Beobachtungen können als vorläufige Hinweise auf einen gegebenenfalls indirekten Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener boviner (vom Rind stammender) Lebensmittel und dem Auftreten einiger Krebsarten beim Menschen interpretiert werden. Ein ursächlicher Zusammenhang (direkte Kausalität) besteht nicht, wie auch das DKFZ schlussfolgert. Zur Abschätzung des potenziellen Risikos fehlen bislang aussagekräftige Untersuchungen.

Der vermutete Zusammenhang zwischen BMMF und dem Auftreten von Krebserkrankungen beim Menschen sollte weiter erforscht werden. Laut BfR und MRI fehlen beispielsweise Daten zum Vorkommen von BMMF in anderen Lebensmitteln nicht-bovinen Ursprungs, zum Vorkommen von BMMF in gesunden Menschen im Vergleich zu Krebspatienten, zum Mechanismus der Entzündungs- und Krebsinduktion durch BMMF sowie zur Infektiosität und Inaktivierung von BMMF in Lebensmitteln.


1 Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Pressekonferenz „Neuartige Infektionserreger als Krebsrisikofaktoren“. Heidelberg, 26. Februar 2019, online verfügbar unter https://www.dkfz.de/de/presse/download/Hintergrund-PK-Plasmidome_final.pdf

2 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Neuartige Erreger in Rind und Kuhmilchprodukten: Weitere Forschung notwendig. Stellungnahme Nr. 014/2019 des BfR vom 18. April 2019, DOI 10.17590/20190418-102619, online verfügbar unter https://www.bfr.bund.de/cm/343/neuartige-erreger-in-rind-und-kuhmilchprodukten-weitere-forschung-notwendig.pdf

3 Koletzko et al.: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen. Monatsschrift Kinderheilkunde, Sonderheft September 2016; siehe auch https://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/handlungsempfehlungen-29389.html

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Apr 172019
 
Eiersuche Kind

Bild:©MNStudio – stock.adobe.com

Zur Osterzeit werden Eier nicht nur liebevoll gefärbt und versteckt, sondern auch mit Appetit verzehrt. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) verbrauchte im Jahr 2017 im Durchschnitt jeder Einwohner in Deutschland 230 Eier, das entspricht umgerechnet etwa viereinhalb Eier pro Woche. Anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse im Zusammenhang mit Krankheitsrisiken kann derzeit keine Obergrenze für den Eierverzehr abgeleitet werden. Maßvoll genossen, können Eier den Speiseplan ergänzen und Bestandteil einer vollwertigen Ernährung sein. Wenn gesunde Menschen zu Ostern mehrere Eier essen, ist das gesundheitlich wohl nicht bedenklich. Eier enthalten wichtige Nährstoffe wie biologisch hochwertiges Protein, Vitamin A, D und B-Vitamine sowie Mineralstoffe. Eine unbegrenzte Menge ist im Rahmen einer pflanzenbetonten Ernährung dennoch nicht zu empfehlen. Das Eigelb ist fett- und cholesterinreich. Der DGE-Ernährungskreis bietet eine einfache und schnelle Orientierung für eine gesundheitsfördernde Lebensmittelauswahl. Tierische Lebensmittel wie Eier ergänzen hier in kleinen Mengen den Speiseplan. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung gibt die DGE einen Orientierungswert von bis zu drei Eiern wöchentlich an. Den größten Anteil einer gesundheitsfördernden Lebensmittelauswahl machen Gemüse, Obst und Getreideprodukte, am besten aus Vollkorn, aus.

Weitere Informationen, wie man die Lebensmittelvielfalt bewusst und ausgewogen genießen kann, geben die 10 Regeln der DGE.

 

Mrz 252019
 

 „Ich habe nicht geahnt, dass ich noch so viel zum Thema Obstipation dazu lernen würde“, so der abschließende Kommentar einer Teilnehmerin des Seminar am vergangenen Freitag. Feste harte knotige Stühle sind Verursacher von starken gastrointestinalen Beschwerden und vielen Folgeerkrankungen. Die Leitlinie Obstipation gibt nur spärliche Hinweise auf mögliche ernährungstherapeutische Hilfestellungen. Für eine erfolgreiche und  individuelle Ernährungstherapie ist es daher besonders wichtig, die unterschiedlichen  Formen der Obstipation, deren Ursachen und Therapiemöglichkeiten zu kennen. Christiane Schäfer vermittelte den Teilnehmern praxisnah die unterschiedlichen Tools der Ernährungstherapie, wie Ballaststoffe, Mikrobiom und Ernährungsmuster – auch im Zusammenspiel mit medikamentöser Therapie. Gängige ernährungstherapeutische Vorgehensweisen wurden genauer unter die Lupe genommen und passend zu den Ursachen modifiziert. So schärfte Christiane Schäfer immer wieder den Blick für die Verdauungsphysiologie und die Warenkunde, die wesentlichen Elemente für eine erfolgreiche Ernährungstherapie von Patienten mit gastrointestinalen Beschwerden sind. An dem ganztägigen Seminar nahmen 20 Ernährungsfachkräfte teil.  

Mrz 212019
 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) ernannte Dr. Helmut Oberritter am 19. März 2019 auf dem Wissenschaftlichen Kongress in Gießen zu ihrem Ehrenmitglied. In ihrer Laudatio würdigte die DGE-Präsidentin Prof. Ulrike Arens-Azevêdo den ehemaligen Geschäftsführer der Fachgesellschaft: „Er hat eine Institution mitgeprägt, die wahrgenommen und geachtet wird, ein guter Teil dieser Achtung und Wertschätzung gebührt auch seinem Einfluss und seiner Arbeit.“

Dr. Helmut Oberritter

DGE-Präsidentin Prof. Ulrike Arens-Azevêdo verleiht die Ehrenmitgliedschaft an Dr. Helmut Oberritter. © DGE / Foto: Thomas Hauss

Seine berufliche Laufbahn führte den promovierten Ernährungswissenschaftler 1985 zur DGE, als er die Leitung des damaligen Referats „Ernährungsberatungsdienst Haushalt und Heime“, heute Referat Fachmedien und Sektionskoordination, übernahm. Er beschäftigte sich u. a. mit der Herausgabe des gleichnamigen Informationsdienstes, der als Vorläufer des DGEinfo gilt. Fünf Jahre später wurde er zum Wissenschaftlichen Leiter ernannt und war für die Fachreferate und Fachaufgaben verantwortlich. Ab 1993 lenkte Helmut Oberritter zusammen mit dem Verwaltungsleiter die Geschicke der Fachgesellschaft. Von 2007 bis 2018 stand er als allein verantwortlicher Geschäftsführer an der Spitze der DGE.

In seiner 33-jährigen Tätigkeit für die DGE, davon 25 Jahre als Geschäftsführer, arbeitete der Wissenschaftler an der Vernetzung der DGE und pflegte eine gute Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften im In- und Ausland. Er war eingebunden in die Aktivitäten der International Union of Nutritional Sciences (IUNS), bei der Vereinigung europäischer Ernährungsfachgesellschaften FENS hatte er das Amt des stellvertretenden Schriftführers inne. Auch die Internationalisierung der „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“, die lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE mit Dreidimensionaler Lebensmittelpyramide, Ernährungskreis und 10 Regeln und nicht zuletzt die Herausgabe der DGE-Ernährungsberichte waren ihm sehr wichtig.

Darüber hinaus engagierte sich Helmut Oberritter als Mitglied verschiedenster Organisationen wie im Vorstand des 5 am Tag e. V. oder im wissenschaftlichen Beirat des Verbands der Diätassistenten (VDD) und der Ernährungs Umschau.

Mit seiner ruhigen und besonnenen Art hatte er die Ziele der Fachgesellschaft immer im Blick. Prof. Arens-Azevêdo sprach Helmut Oberritter im Namen des Wissenschaftlichen Präsidiums, des Verwaltungsrates und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DGE ihren Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und den jahrzehntelangen Einsatz für die wissenschaftliche Fachgesellschaft aus.

Mrz 212019
 

56. DGE-Kongress in Gießen


In einer immer älter werdenden Gesellschaft gewinnen altersabhängige Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Mit welchen Strategien man ihnen begegnen und vorbeugen kann, diskutieren Ernährungswissenschaftler, Oecotrophologen und Wissenschaftler angrenzender Fachgebiete vom 19. bis 21. März 2019 auf dem 56. Wissenschaftlichen DGE-Kongress an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Hier blickt man auf eine lange Tradition der Ernährungswissenschaften zurück. Während es in den Zeiten von Liebigs Fleischextrakt und auch zur Zeit der Gründung des ersten Instituts für Ernährungswissenschaften vor rund 60 Jahren vor allem darum ging, Mangelkrankheiten vorzubeugen, stehen heute eher die Fehlernährung im Nahrungsüberfluss und ihre Folgen im Fokus. „In einer Gesellschaft, die dem demographischen Wandel unterworfen ist, rückt die Prävention altersbedingter Erkrankungen immer stärker in den Fokus der Wissenschaft. Hierbei kann die richtige Ernährung einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie altersbedingte Veränderungen positiv beeinflusst“, sagt Prof. Gunter Eckert, Institut für Ernährungswissenschaft (IfE), Universität Gießen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Wenzel, ebenfalls IfE, hat er die wissenschaftliche Leitung des Kongresses inne.

Kongresseröffnung

Prof. Dr. Joybrato Mukherjee spricht Begrüßungsworte beim 56. Wissenschaftlichen Kongress der DGE. © DGE / Foto: Thomas Hauss

Über 600 Teilnehmer informieren sich an den 2 ½ Veranstaltungstagen über aktuelle Forschungsergebnisse u. a. zur Analytik und biologischen Wirkung verschiedener Lebensmittelinhaltsstoffe und Lebensmittel, zur Ernährung spezifischer Bevölkerungsgruppen, zur Ernährungsbildung, Gesundheitsförderung und zum Ernährungsverhalten sowie zu Herausforderungen in der Gemeinschaftsverpflegung. Insbesondere die Vortragsreihe „Ernährung und chronische Krankheiten“ sowie die Postersession „Chemoprävention“ vertiefen das Kongressthema. In den Minisymposien geht es beispielsweise um den Einfluss Sozialer Medien auf unsere Ernährung, die Vermeidung von Mangelernährung in der Gemeinschaftsverpflegung, die Chronobiologie der Nahrungsaufnahme und Mahlzeitenmuster mit Bezug zu metabolischen Erkrankungen sowie funktionelle Lebensmittel. Die drei Plenarvorträge greifen das Leitthema „Lebensjahre in Gesundheit – was leistet die Ernährung?“ am Beispiel von Alzheimer-Krankheit, Parkinson und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Energiestoffwechsel des Gehirns im Alter – Können Ketone das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen?

Prof. Dr. Stephen Cunnane, Universität Sherbrooke, Kanada, spricht über den Keton- und Hirnenergiestoffwechsel während des Alterns und Auswirkungen auf die Alzheimer-Krankheit. Ein chronisches Energiedefizit des Gehirns ist ein wichtiges Präsymptom dieser Krankheit, dem bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Um das Energiedefizit des Gehirns zu überwinden, sind derzeit Ketone als Nahrungsergänzungsmittel das vielversprechendste Mittel, fasst Cunnane den aktuellen Forschungsstand zusammen.

Hypothese Hormesis – warum ist das für Biogerontologen ein Thema?

Inwieweit geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen positive Wirkungen auf Organismen haben können, betrachtet Prof. Dr. Vittorio Calabrese von der Universität Catania, Italien. Die Hormesis beinhaltet die Anpassungsfähigkeit, endogene und umweltbedingte Einwirkungen durch toxische Substanzen zu neutralisieren und damit das Überleben zu steigern. Lebensmittelinhaltsstoffe wie Polyphenole wirken ebenfalls über hormetische Prozesse auf den Körper ein. Anhand hormetischer Ansätze stellt Calabrese Perspektiven und Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Qualität des Alterungsprozesses und die Lebensdauer sowie die Behandlung der Parkinson-Krankheit und anderer neurodegenerativer Krankheiten wie Demenzen vor.

Wie lassen sich kardiovaskuläre Alterserkrankungen vorbeugen?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland und ihre Entstehung kann durch Faktoren wie Lebensstil einschließlich Ernährung beeinflusst werden. Einen kritischen Blick auf Ernährungsstrategien zur Prävention kardiovaskulärer Alterserkrankungen wirft daher Prof. Dr. Andreas Simm von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie weist darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung, wie sie beispielsweise in einer mediterranen Ernährungsweise umgesetzt wird, zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen empfohlen werden kann. Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln lassen hingegen momentan keinen Nutzen erkennen. Grundsätzlich können Ernährungsempfehlungen nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn neben der „medizinischen“ auch die „soziale“ Bedeutung der Ernährung beachtet wird, betont Simm.

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