Okt 172017
 

Am 12. Oktober 2017 veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Sektion MV mit großer Resonanz die 20. Ernährungsfachtagung im Rittersaal des Finanzministeriums Schwerin.

Es nahmen über 140 Fachkräfte aus dem Bereich der Ernährungsberatung und –therapie, Multiplikatoren aus den Bereichen Gesundheit, Politik, Prävention und Public Health, sowie Lehrkräfte, Studierende und Auszubildende der ansässigen Diätschulen und Hochschulen an der Fachtagung teil.

Zunächst richtete Dr. Jürgen Buchwald, Staatssekretär des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Thema Fett spielt insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern eine große Rolle. Im bundesweiten Vergleich hat Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Anteil Übergewichtiger. Mit steigendem Übergewicht und der vorangegangenen Fehlernährung kann auch das Risiko für Fettstoffwechselstörungen ansteigen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Mecklenburger unter schlechten Blutfettwerten leiden bzw. bereits Folgeerkrankungen entwickelt haben.

Die diesjährige Ernährungsfachtagung hatte daher zum Ziel, diese Thematik von allen Seiten zu beleuchten.

Unter anderem wurde von Priv.-Doz. Dr. Stefan Zimny, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie an den Helios Kliniken Schwerin, wieder ins Gedächtnis gerufen, dass nicht eine übermäßige Cholesterinaufnahme das Risiko für Fettstoffwechselstörungen erhöht, sondern dass u.a. auch die übermäßige Aufnahme von Kohlenhydraten im Zusammenhang mit einer übermäßigen Energieaufnahme insgesamt ein großes Problem darstellen. Der Zusammenhang liegt darin begründet, dass insbesondere die einfachen Kohlenhydrate aus zuckergesüßten Limonaden, Säften und Süßigkeiten bei einem Überschuss in der Leber zu Fettsäuren metabolisiert werden. Dadurch steigt das Leberfett an, was die Leberfunktion insgesamt beeinträchtigt und sich somit auch auf den kompletten leberabhängigen Fettstoffwechsel negativ auswirkt. Das zeigt auch die von Dehghan et al. jüngst im Lancet veröffentlichte PURE-Studie. In der groß angelegten Kohortenstudie wurde aufgezeigt, dass eine Kohlenhydratzufuhr über 70 % des Tagesenergiebedarfes mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko sowie mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Des Weiteren spielt die übermäßige Aufnahme gesättigter Fettsäuren eine wichtige Rolle in der Entstehung von koronaren Herzkrankheiten, wie es zum einen die geltende „Leitlinie Fett“ der DGE und zum anderen auch eine eigene Studie von Frau Dr. Christine Dawczynski von der Universität Jena zeigen. Um der Entstehung einer solchen Erkrankung vorzubeugen, wurde die mediterrane Ernährungsweise mit ungesättigten Fettsäuren aus Ölen, Fisch und Nüssen empfohlen. Viele Studien, darunter auch die auf der Fachtagung von Frau Dr. Dawczynski vorgestellte „MoKaRi-Studie“, die auf der mediterranen Ernährung beruht, konnten zeigen, dass diese Ernährungsweise sich positiv auf die Herzgesundheit auswirkt.

Selbst bei Patienten mit Fettstoffwechselerkrankungen und bestehender Medikation werden laut Frau Dr. Claudia Brückner, Fachärztin für Innere Medizin bei NephroCare Hamburg Barmbek, auch weiterhin die entsprechenden Ernährungsempfehlungen im Patientengespräch ihrer Lipidambulanz immer wieder mit aufgenommen.

Das Resümee der Tagung lautet daher – auch im Konsens mit aktuellen Empfehlungen zur Fettzufuhr sowie den neuen 10 Regeln der DGE – dass zur Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen nicht der Verzicht auf Fett, sondern die angemessene Fettsäurezusammensetzung mit einem hohen Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren innerhalb der empfohlenen 30 % Tagesenergiezufuhr empfohlen wird. Neben dem Fett sind des Weiteren eine bedarfsdeckende (und somit nicht übermäßige) Energiezufuhr insgesamt sowie die Reduktion einfacher Kohlenhydrate in der Ernährung entscheidend für die Prävention von Fettstoffwechselerkrankungen und damit einhergehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sorry, the comment form is closed at this time.