Apr 302019
 

BfR und MRI sehen keine evidenzbasierten Erkenntnisse für kausalen Zusammenhang


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Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) könnten neuartige Infektionserreger, die sogenannten „Bovine Milk and Meat Factors“ (BMMF), chronische Entzündungen verursachen, die die maligne Entartung von Zellen in Brust und Dickdarm und damit die Krebsentstehung fördern könnten 1.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Max Rubner-Institut (MRI) kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung möglicher Gefahren durch sogenannte BMMF als potentielle Krebsrisikofaktoren aufgrund unzureichender Datenlage derzeit nicht möglich ist 2.

Analog zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfehlen BfR und MRI daher

  • den Fleischverzehr zu begrenzen. Wer Fleisch isst, sollte nicht mehr als 300 bis 600 g pro Woche verzehren. Grundlage hierfür sind die bisherigen Evidenzbewertungen zum Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem sowie verarbeitetem Fleisch und einem erhöhten Darmkrebsrisiko.
  • Kuhmilch und daraus hergestellte Produkte weiterhin zu essen.

Entsprechend den 10 Regeln der DGE sollten tierische Lebensmittel wie Milch- und Milchprodukte, Fleisch, Ei und Fisch grundsätzlich in kleineren Mengen ergänzend zu hauptsächlich pflanzlichen Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte verzehrt werden.

Bislang wurden BMMF laut DKFZ in Kuhmilch, Kuhmilchprodukten und Blutserum gesunder Rinder nachgewiesen. Das Krebszentrum vermutet, dass Säuglinge mit noch nicht ausgereiftem Immunsystem innerhalb ihres ersten Lebensjahres beim Zufüttern von Kuhmilch mit BMMF infiziert werden. Sie schlussfolgern, Säuglinge nicht zu früh mit Kuhmilch zu ernähren. Für die Ernährung von Säuglingen ist das Stillen zur Vorbeugung gegen verschiedene Krankheiten grundsätzlich zu befürworten. Laut offizieller Handlungsempfehlungen sollen Säuglinge im 1. Lebenshalbjahr gestillt werden, mindestens bis zum Beginn des 5. Monats ausschließlich 3.

Die vorliegenden Ergebnisse aus epidemiologischen Beobachtungen können als vorläufige Hinweise auf einen gegebenenfalls indirekten Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener boviner (vom Rind stammender) Lebensmittel und dem Auftreten einiger Krebsarten beim Menschen interpretiert werden. Ein ursächlicher Zusammenhang (direkte Kausalität) besteht nicht, wie auch das DKFZ schlussfolgert. Zur Abschätzung des potenziellen Risikos fehlen bislang aussagekräftige Untersuchungen.

Der vermutete Zusammenhang zwischen BMMF und dem Auftreten von Krebserkrankungen beim Menschen sollte weiter erforscht werden. Laut BfR und MRI fehlen beispielsweise Daten zum Vorkommen von BMMF in anderen Lebensmitteln nicht-bovinen Ursprungs, zum Vorkommen von BMMF in gesunden Menschen im Vergleich zu Krebspatienten, zum Mechanismus der Entzündungs- und Krebsinduktion durch BMMF sowie zur Infektiosität und Inaktivierung von BMMF in Lebensmitteln.


1 Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Pressekonferenz „Neuartige Infektionserreger als Krebsrisikofaktoren“. Heidelberg, 26. Februar 2019, online verfügbar unter https://www.dkfz.de/de/presse/download/Hintergrund-PK-Plasmidome_final.pdf

2 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Neuartige Erreger in Rind und Kuhmilchprodukten: Weitere Forschung notwendig. Stellungnahme Nr. 014/2019 des BfR vom 18. April 2019, DOI 10.17590/20190418-102619, online verfügbar unter https://www.bfr.bund.de/cm/343/neuartige-erreger-in-rind-und-kuhmilchprodukten-weitere-forschung-notwendig.pdf

3 Koletzko et al.: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen. Monatsschrift Kinderheilkunde, Sonderheft September 2016; siehe auch https://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/handlungsempfehlungen-29389.html

 

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