Dez 142020
 
 
Tüte mit Lebensmitteln

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Die alle vier Jahre stattfindende Dreiländertagung der DGE, ÖGE und SGE fand in diesem Jahr vom 19.-20. November 2020 unter dem Motto „Update D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – vulnerable Gruppen entlang des Lebenszyklus“ erstmals digital statt. ÖGE-Präsident Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner begrüßte die rund 400 Teilnehmer*innen mit den Worten: „Wir werden diese Dreiländertagung nutzen, um Wissen zu vermitteln, uns auszutauschen und zu diskutieren – was trotz der virtuellen Ausrichtung gut möglich ist.“ Prof. Dr. Jakob Linseisen, Präsident der DGE betonte: „Ich stehe komplett hinter dem Konzept der Dreiländertagung, auch für die zukünftige Zusammenarbeit der österreichischen, deutschen und schweizerischen Ernährungsfachgesellschaften. Die D-A-CH-Referenzwerte sind dabei das herausragende verbindende Element.“ Cornelia Conrad-Zschaber, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), verdeutlichte: „Jetzt gilt es, stärker einzelne Bevölkerungsgruppen in den Fokus zu nehmen, um Fehlernährung zu vermeiden. Die D-A-CH-Referenzwerte bieten hier eine verlässliche Orientierung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft.“

20 Jahre D-A-CH-Referenzwerte

Die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr geben die drei Fachgesellschaften seit nunmehr zwei Jahrzehnten heraus. Pünktlich zur Dreiländertagung liegt die fünfte Ergänzungslieferung vor, mit überarbeiteten D-A-CH-Referenzwerten für Vitamin A und Biotin. Bei Vitamin A dient die Retinolaktivitätsäquivalente (RAE) und nicht länger die Retinoläquivalente (RE) als Berechnungsgrundlage, was eine genauere Bewertung der pflanzlichen Lebensmittel als Provitamin-A-Quelle zulässt. Die empfohlene Zufuhr für Vitamin A beträgt nun 700 µg RAE /Tag für Frauen und 850 µg RAE /Tag für Männer. Einen separaten Referenzwert für β-Carotin gibt es zukünftig nicht. Für Biotin wird der Referenzwert ab jetzt für alle Altersgruppen und nicht mehr als Spanne, sondern als konkreter Wert angegeben. Der neue Schätzwert für Erwachsene beträgt 40 µg/Tag.

Vulnerable Gruppen entlang des Lebenszyklus

Die Herausforderungen an die Ernährung in verschiedenen Lebensphasen – vom Säugling bis ins hohe Alter – waren weitere Schwerpunktthemen der Tagung: Im Leben sind die ersten 1000 Tage entscheidend, um den Grundstein für die zukünftige Ernährungsweise zu legen. Prof. Dr. Regina Ensenauer vom Max Rubner-Institut in Karlsruhe stellte fest: „Übergewicht beginnt bereits in utero“. Denn war die Mutter vor der Schwangerschaft übergewichtig, steigt auch das Risiko beim Kind später übergewichtig zu sein und ggf. einen Diabetes mellitus Typ 2 oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Weitere Faktoren sind hier das Stillen, die Stilldauer sowie die Gewichtszunahme des Kindes in den ersten zwei Lebensjahren. Für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen ist außerdem eine gesundheitsfördernde und zugleich bezahlbare Gemeinschaftsverpflegung elementar, da ein Großteil der Kinder im Kindergarten oder in der Schule verpflegt wird.

Da der Anteil älteren Menschen in der Gesellschaft stetig zunimmt, steigt auch die Herausforderung für eine qualitativ hochwertige Ernährung und ausreichende Bewegung, bereits in jungem und mittlerem Alter. Denn ein gutes „Ausgangsniveau“ führt meist auch zu einer besseren Mobilität im Alter. Die ausreichende Versorgung mit im Alter oftmals kritischen Nährstoffen, wie Protein, Vitamin D oder Folsäure sollte zudem im Fokus bleiben. Eine Mangelernährung tritt mit zunehmenden kognitiven Einschränkungen und hoher Pflegebedürftigkeit vermehrt auf. Daher ist es sinnvoll bei älteren Menschen in stationären Einrichtungen, routinemäßig ein standardisiertes Screening auf Mangelernährung durchzuführen und rechtzeitig Interventionsmaßnahmen einzuleiten.

weiter unter: www.dge.de

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