Jan 302020
 

Gesicherte Ernährungsempfehlungen bleiben lange stabil


Forscher untersucht Petrischale

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Die Verunsicherung der Verbraucher*innen beim Thema Ernährung ist groß. In den Medien werden häufig Ergebnisse einzelner Studien als „neue Erkenntnisse“ der Ernährungsforschung dargestellt. Dies führt oft dazu, dass gültige Ernährungsempfehlungen voreilig in Frage gestellt werden. Warum Ernährungsempfehlungen nicht auf einzelnen Publikationen, sondern auf einem systematischen Prozess der Sichtung, Auswahl und Bewertung wissenschaftlicher Studien basieren sollte, erklärten Ernährungsexpert*innen auf dem DGE-Journalistenseminar am 9. Dezember 2019 in Hamburg.

„Die Grundlage für Ernährungsempfehlungen sollte immer die Summe der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, also die wissenschaftliche Datenlage (Evidenz) sein. Daher ist ein kontinuierlicher und aktueller Überblick über die Studienlage zum Einfluss von Ernährungsfaktoren auf die Gesundheit sicherzustellen “, erklärt Prof. Dr. Jakob Linseisen, Präsident der DGE. Ebenso sind standardisierte Methoden zur Evidenzfindung und -bewertung notwendig. „Für die Ableitung von Empfehlungen brauchen wir wissenschaftliche Studien mit möglichst hoher Evidenz“, so Linseisen weiter. Nur so können Leitlinien und wissenschaftliche Stellungnahmen – wie sie von der DGE zu vielen Themen in den letzten Jahren erfolgreich umgesetzt wurden – erarbeitet werden. Beispiele sind die evidenzbasierten Leitlinien der DGE zu Kohlenhydraten und Fette

Weiterlesen unter: https://www.dge.de/presse/pm/dge-betont-bedeutung-wissenschaftlich-fundierter-ernaehrungsempfehlungen/

Jan 242020
 
DGE-Qua­li­täts­stan­dard für die Ver­pfle­gung in Krank­en­häus­ernDie aktuelle 5. Care-Studie des Deutschen Krankenhaus Institutes (DKI) und der K&P Consulting GmbH nimmt die Verpflegung im Krankenhaus in den Fokus. Durch die speziellen Lebensumstände bei Krankheit und Rekonvaleszenz kommt der Verpflegung in Kliniken eine besondere Rolle zu. Denn eine bedarfsgerechte und gesundheitsfördernde Verpflegung kann die Genesung der Patienten unterstützen, die Lebensqualität steigern, zu einem verkürzten Klinikaufenthalt beitragen und ist nicht zuletzt ein attraktives Aushängeschild für das Krankenhaus. Es lohnt sich daher für Krankenhäuser, in die Verpflegung ihrer Patienten zu investieren.

Mit dem Ziel, das Verpflegungsangebot in Krankenhäusern zu optimieren, hat die DGE 2011 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Krankenhäusern“ herausgegeben. Anhand wissenschaftlich basierter Daten liefert der DGE-Qualitätsstandard Kriterien für das Angebot einer gesundheitsfördernden Verpflegung in Krankenhäusern. Diese beziehen sich auf die Speisenplanung, besonders auf Lebensmittelqualitäten und -häufigkeiten, auf die Speisenherstellung, aber auch die Rahmenbedingung der Verpflegung, wie die Essatmosphäre und die Erfassung des Ernährungszustandes. Er enthält eine Checkliste anhand derer Verpflegungsverantwortliche ihr Angebot selbstständig überprüfen können. 4 % der Krankenhäuser in Deutschland haben mindestens eine Menülinie durch die DGE zertifizieren lassen und verfügen damit nachweislich über ein gesundheitsförderndes Speisenangebot. Viele dieser zertifizierten Krankenhäuser mit einem gesundheitsfördernden Verpflegungsangebot sind in einer Referenzkarte verzeichnet.

Tatsächlich gibt es keine aktuelle Studie, die die Verpflegungsqualität in Krankenhäusern bezüglich der Qualität und Häufigkeit der eingesetzten Lebensmittel und damit der Nährstoffversorgung untersucht hat. Dennoch lässt sich nicht pauschal urteilen, dass günstiges Essen grundsätzlich nicht vollwertig ist.

Bereits kleine Veränderungen ohne großen Kostenaufwand, z. B. der Einsatz von nährstoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln wie saisonalem Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten wie Haferflocken, sind Ansatzpunkte für die Optimierung der Verpflegungsqualität. Somit können auch Einrichtungen mit geringem Budget für die Verpflegung zu einer Qualitätssteigerung des Angebotes in kleinen Schritten motiviert werden.

Krankenhäusern und auch Rehakliniken, die ihr Verpflegungsangebot verbessern möchten, bietet die DGE neben dem DGE-Qualitätsstandard weitere Unterstützungsangebote. Auf der Internetseite www.station-ernaehrung.de finden Interessenten unter anderem Fachinformationen, eine Rezeptdatenbank, Speisepläne und Medien zum Download. Auch Seminare für Küchenpraktiker, Praxispaten und persönliche Ansprechpartner sind hier zu finden.

Jan 172020
 

Zielgruppengerechte Wissenshappen

Fahnen der Internationalen Grüne Woche

© Messe Berlin GmbH

Die DGE und das Projekt „IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung“ präsentieren sich mit ihren Themen und Medien auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 17. bis 26. Januar 2020 in Halle 23a. Gemäß dem Hallenmotto „Du entscheidest“ informieren sie über Möglichkeiten ausgewogener, gesundheitsfördernder und nachhaltiger Ernährung in den verschiedenen Lebenswelten und die Qualitätssicherung. Die DGE-Experten freuen sich auf die Gespräche und Fragen zur zeitgemäßen KiTa- und Schulverpflegung, zu Essen und Trinken in Kliniken, Senioreneinrichtungen sowie Betrieben.

Zum Auftritt gehört auch die Beteiligung am Rahmenprogramm der Halle 23a: So können beispielsweise ab 20. Januar 2020 Kinder und Jugendliche beim Schülerquiz ihr Wissen über Ernährung, Gesundheit und kluge Verpflegung testen. Beim Bühnenprogramm zeigen die Gemeinschaftsverpflegungs-Experten durch spannende Liveschalten in Senioreneinrichtungen und KiTas, dass eine gute Verpflegung funktionieren kann.

Wie Ernährungstrends aus den sozialen Medien wissenschaftlich zu bewerten sind, beleuchtet die DGE am Montag, den 20. Januar um 15.15 Uhr und am Dienstag, den 21. Januar um 16.15 Uhr im Talk auf der Bühne. Wissenschaftsjournalistin und Oecotrophologin Dr. Gunda Backes steht dort Rede und Antwort und serviert Moderatoren und Besuchern diese Informationen als leicht verdauliche Wissenshappen. Außerdem informiert sie, wie Verbraucher einen Ernährungsberater finden können und auf welche Qualifikationen sie achten sollten.

Weitere Presseinformationen zu Aktionen vom DGE-Projekt IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung

Dez 302019
 

DGE-Kommentar zu den Veröffentlichungen der NutriRECS-Gruppe

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[/caption] Unter dem Namen NutriRECS* ist eine neue Gruppe von internationalen, medizinisch orientierten Methodikern angetreten, Ernährungsempfehlungen abzugeben. Ende September 2019 trat sie mit ihrer Bewertung der gesundheitlichen Bedeutung eines (hohen) Konsums von rotem Fleisch und daraus hergestellten Fleischerzeugnissen an die Öffentlichkeit. Unter dem Titel „Die Aussagen der NutriRECS Experten zum Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch – Implikationen für die Evidenzfindung im Ernährungsbereich?“kommentiert die DGE die Veröffentlichungen der NutriRECS-Gruppe zum Fleischverzehr.

*Nutritional Recommendations and Accessible Evidence Summaries Composed of Systematic Reviews

Dez 132019
 
Verpflegung eines Patienten

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Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes mellitus Typ 2, die zum großen Teil durch eine unausgewogene Ernährung ausgelöst werden. Die Ernährung beeinflusst auch Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Lebensmittelunverträglichkeiten. Der ernährungsmedizinischen Versorgung kommt eine immer größere Bedeutung bei der Behandlung von Krankheiten zu.

Daher erfolgte jetzt eine grundlegende Neufassung des bisher in der Ernährungstherapie angewandten Rationalisierungsschema von 2004 durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) und die Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin e. V. (DAEM), in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM), dem Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e. V. (BDEM), der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG), dem Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) und dem BerufsVerband Oecotrophologie e. V. (VDOE). Gemeinsam haben die Autoren es sich zum Ziel gesetzt, auf Grundlage evidenzbasierter Leitlinien einen aktuellen Leitfaden für die praktische Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP) zu verfassen. Der Leitfaden erscheint heute erstmals in der Aktuellen Ernährungsmedizin.

„Die Ernährung spielt nicht nur in der Prävention von Erkrankungen, sondern auch in der Therapie eine wichtige Rolle“, sagt Privatdozent Dr. med. Frank Jochum, Präsident der DGEM und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau. „Wissenschaftliche Studien belegen, dass die gezielte Ernährungsintervention im medizinischen Alltag bei vielen Erkrankungen eine vergleichbare Bedeutung hat wie die Verordnung krankheitsspezifischer Medikamente.“

Eine erfolgreiche Behandlung beruht nach Ansicht der Experten auf wissenschaftlich gesicherten Ernährungsempfehlungen. „Wir haben LEKuP entwickelt, um allen in der Klinik, Praxis und Pflege Tätigen eine einfache Orientierungshilfe für eine moderne ernährungsmedizinische Versorgung an die Hand zu geben“, erklärt Professor Dr. med. Hans Hauner, Institut für Ernährungsmedizin der TU München, für die DGE und als Sprecher der Autorengruppe. „Im Leitfaden sind die vollwertige Ernährung nach den Empfehlungen der DGE sowie – alternativ – die mediterrane oder vegetarische Kost als Grundkostformen definiert“.

„In unserem ursprünglichen Rationalisierungsschema wurden die Besonderheiten der Ernähnrungstherapie für bestimmte Krankheitsbilder dargestellt. Dies gilt nun in besonderem Maße auch für LEKuP, der spezifische Handlungsempfehlungen, zum Beispiel bei Nierenkrankheiten, bei Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei entzündlich-rheumatischen und orthopädischen Diagnosen oder bei neurologischen oder onkologischen Erkrankungen auflistet“, so Professor Dr. med. Gerd Bönner, Präsident der DAEM.

Die Empfehlungen im Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis richten sich an alle Verantwortlichen für die Ernährungstherapie und die Patientenverpflegung, insbesondere Ernährungsfachkräfte, Ärzte, Träger von und Führungskräfte in Krankenhäusern und Pflegeheimen, Verantwortliche in den Küchen, im Service, in der Therapie und in der Pflege. Der Leitfaden soll zudem eine Orientierung für Kostenträger im Gesundheitswesen darstellen.

Der Leitfaden kann hier abgerufen werden.

Nov 222019
 

22. Ernährungsfachtagung

 „Prävention, Prävention und noch einmal Prävention- das ist das einzige das hier hilft! “ so Prof. Dr. Domink Schulte vom UKSH Campus Kiel auf der 22. Ernährungsfachtagung am 21.11.2019 in Rostock. Bei starkem Übergewicht kommt es zu einer Einwanderung von Entzündungszellen in das Fettgewebe. Dies kann zu Insulinresistenz und Typ 2 Diabetes führen. Und zwar unbemerkt. Es gibt keine Schwellung, Rötungen oder Schmerzen, wie bei Entzündungsreaktionen mit bakteriellem oder viralem Ursprung.  Einmal angestoßen, läuft die Entzündungsreaktion immer weiter fort. Zwar lasse sich durch eine Gewichtsreduktion für eine gewisse Zeit eine Remission erreichen, aber die Entzündungsreaktion werde nicht gestoppt. Auch bei Patienten mit bariatrischen Eingriffen wurde keine Verringerung der Entzündungen beobachtet. Deshalb ist es so wichtig, dass starkes Übergewicht von Anfang an verhindert wird.  

Aber nicht nur in den Fettzellen, sondern auch in anderen Organen laufen entzündliche Prozesse ab. So wurden auf der 22. Ernährungsfachtagung in spannenden und informativen Vorträgen die Leber, die Bauchspeicheldrüse und der Darm genauer  betrachtet. Wie kommt es zu den Entzündungen und welche Möglichkeiten und Grenzen hat die Ernährungstherapie. Es zeigt sich jedoch immer wieder deutlich, dass im Praxisalltag die Ernährungstherapie nicht ausreichend in Anspruch genommen wird. Hier sind nun Politik und Kostenträger gefragt, um diesen wichtigen Part der Ernährung effektiv und präventiv besser umzusetzen.

An der Veranstaltung nahmen 120 Fachkräfte aus dem Bereich der Ernährung und Gesundheit teil.

Okt 292019
 
Ringordner „ICH nehme ab“Ernährungsfachkräfte aufgepasst: Ab sofort erhalten Sie den Ringordner „ICH nehme ab“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) zum Vorzugspreis von 20,00 Euro (zzgl. Versand) anstatt 35,00 Euro. Es handelt sich um die 6. Auflage (8. unveränderter Nachdruck). Im nächsten Jahr legt die DGE einen korrigierten Nachdruck auf, der Layout- und Formulierungsänderungen enthält. Der grundsätzliche Aufbau und der Inhalt dieses bewährten Mediums werden sich aber nicht wesentlich ändern.

Der Ringordner enthält ein wissenschaftlich basiertes Gewichtreduktions-Programm in zwölf Schritten, ein Ernährungstagebuch, ein Notizblock und eine Broschüre mit Rezepten. Das Programm „ICH nehme ab“ ist verhaltenstherapeutisch ausgerichtet. Es richtet sich an mäßig übergewichtige Personen (BMI 25 – 30 kg/m²), die keine Komorbiditäten aufweisen, sowie nach ärztlicher Rücksprache auch an Menschen mit Adipositas Grad I.

Ziel des Programms ist es das Körpergewicht schrittweise und nachhaltigzu senken, und eine vollwertige Ernährungsweise gemäß den Empfehlungen der DGE umzusetzen. Das Konzept basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz und berücksichtigt neben ernährungsphysiologischen und psychologischen Aspekten auch Bewegung und Entspannung. In 12 Schritten werden Teilnehmende durch das Programm begleitet und u. a. bei der Analyse ihres Essverhaltens unterstützt.

Das Angebot gilt solange der Vorrat reicht.

Okt 292019
 

 „Am liebsten würde ich gleich zu meinen Patienten fahren und mit der Umsetzung der neuen Erkenntnissen und Ideen beginnen“, so der abschließende Kommentar einer Teilnehmerin aus dem Seminar Diarrhoe & imperative Stühle vom 25.10.2019 in Schwerin.

Ein weicher, flüssiger Stuhl und unvorhergesehene, plötzliche Stuhlentleerungen verunsichern Patienten. Diese Ereignisse beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen und haben massivste Auswirkungen auf das Essverhalten. Daher spielt hier die Ernährungstherapie neben der medikamentösen Begleitung eine sehr wichtige Rolle. Die Diplom Oecotrophologin Christiane Schäfer schärfte wieder den Blick für die unterschiedlichen physiologischen und pathophysiologischen Verdauungsprozesse, die hinter diesen Stuhlunregelmäßigkeiten stehen und durchleuchtete die unterschiedlichen ernährungstherapeutischen Tools in ihrer Wirkung und Anwendung. An dem ausgebuchten Seminar nahmen 27 Ernährungsfachkräfte teil.

Okt 182019
 

DGE-Referat Fortbildung bietet umfangreiches Programm an

Die DGE bietet Ernährungsfachkräften im kommenden Jahr wieder ein interessantes Fort- und Weiterbildungsprogramm. An den Standorten Bonn, Esslingen, Stuttgart, Friedrichsdorf und München werden über 30 Seminare angeboten. Die Anmeldung ist hier ab sofort möglich.

Vermittelt werden sowohl ernährungstherapeutische Themen wie Lebensmittelallergien und -intoleranzen, das Reizdarmsyndrom oder FODMAPs-arme Ernährung als auch präventive Aspekte wie Module zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement oder Essen bei Schichtarbeit. 

Das DGE-Referat Fortbildung ist zertifiziert nach „Lernerorientierter Qualitätstestierung in der Weiterbildung“ (LQW). Mit dem LQW-Qualitätssiegel verfügt die DGE über ein anerkanntes Qualitätstestierungsverfahren. Dadurch sind DGE-Fortbildungen in zahlreichen Bundesländern als Bildungsurlaub anerkannt.

Die Termine für die Fortbildungen der DGE Sektion M-V werden auf dieser Internetseite (www.dge-mv.de) unter Fortbildungen veröffentlicht.

Okt 182019
 

Auswertung der nutritionDay-Daten für den 14. DGE-Ernährungsbericht zeigt Handlungsbedarf


(dge) In deutschen Kliniken und Pflegeheimen sind bis zu 30 % der Patienten und bis zu 25 % der Bewohner mangelernährt. Dies ergab die Auswertung der nutritionDay-Daten, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) als Vorveröffentlichung zum 14. DGE-Ernährungsbericht1 herausgibt.

Während international zahlreiche Studien zur Ernährungssituation in Kliniken und Pflegeheimen vorliegen, ist die Datenlage in Deutschland spärlich. Ziel des von der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) gemeinsam initiierten und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Vorhabens für den 14. DGE-Ernährungsbericht war es daher, die Ernährungssituation in deutschen Kliniken und Pflegeheimen zu bewerten und international zu vergleichen. Dafür wurden die von 2006 bis 2018 erhobenen nutritionDay-Daten zur Häufigkeit von Mangelernährung sowie zu bestehenden Versorgungsstrukturen in Kliniken und Pflegeheimen in Deutschland erstmals systematisch ausgewertet. „Die Ergebnisse zeigen deutlich Handlungsbedarf auf. Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung in deutschen Kliniken und Pflegeheimen sind dringend erforderlich, um der Entwicklung von Mangelernährung vorzubeugen und bestehende Ernährungsprobleme angemessen zu behandeln“, sagt Prof. Dr. Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie hat das Vorhaben in enger Zusammenarbeit mit nutritionDay Wien, DGEM und DGE durchgeführt.

Defizite bei Ernährungsstrukturen und Fachkompetenz

Im europäischen Vergleich schneiden deutsche Einrichtungen hinsichtlich standardmäßig vorhandener Ernährungsstrukturen deutlich schlechter ab: 2018 verfügten nur 10 % der deutschen Kliniken und 30 % der Pflegeheime über eine Diätassistenz, in den anderen teilnehmenden Ländern Europas waren es 63 % und 86 %. Ein Ernährungsteam bzw. eine Ansprechperson für Ernährung gab es in 58 % der Kliniken und 45 % der teilnehmenden Wohnbereiche in Pflegeheimen in Deutschland, in Europa waren es 82 % bzw. 71 %. Dabei zeigte sich, dass Ernährungsmaßnahmen wie die Gabe von angereicherter Kost oder Trinknahrung deutlich häufiger ergriffen wurden, wenn Ernährungsfachkräfte verfügbar und ein routinemäßiges Screening auf Mangelernährung etabliert waren. Ernährungsmaßnahmen wurden zwar mit zunehmender Schwere der Mangelernährung häufiger eingesetzt, dennoch erhielt selbst bei schwerer Mangelernährung nur ein Teil der Betroffenen eine Intervention. Mit abnehmender Essmenge und mit schlechter werdendem Ernährungszustand nahmen die Mortalität und im Krankenhaus auch die weitere Aufenthaltsdauer zu. Ein Viertel der teilnehmenden Stationen führte klinische Ernährung ohne Richtlinien oder Standards durch. Da am nutritionDay vermutlich vor allem ernährungsmedizinisch interessierte und engagierte Institutionen teilnehmen, ist davon auszugehen, dass sich die Situation in deutschen Kliniken und Pflegeheimen insgesamt noch schlechter darstellt.

Dringend notwendig: Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung

Um die Ernährungsversorgung in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu verbessern, empfehlen die Autoren ernährungsmedizinische Leitlinien und Standards flächendeckend zu implementieren und umzusetzen. Die routinemäßige Erfassung der Ernährungssituation bei Klinikaufnahme sollte flächendeckend erfolgen, um Mangelernährung bzw. das Risiko dafür zu identifizieren. Um eine gute ernährungsmedizinische Versorgung sicherzustellen, ist qualifiziertes Personal – von ernährungsmedizinisch ausgebildeten Ärzten über Pflegekräfte bis zur Diätassistenz und interdisziplinären Ernährungsteams – in jeder Einrichtung in ausreichendem Umfang zwingend notwendig. Die ernährungsmedizinische Fachkompetenz ist auszubauen, z. B. indem ernährungsmedizinische Inhalte stärker in die Ausbildung von Gesundheitsberufen integriert werden. Als Grundvoraussetzung für eine bedarfsdeckende Ernährung muss ein hochwertiges, attraktives Essensangebot in Kliniken und Pflegeheimen zum Standard jeder Institution gehören. Das beinhaltet auch texturmodifizierte Kostformen sowie angereicherte Mahlzeiten mit hoher Energie- und Nährstoffdichte, um Menschen mit Mangelernährung bzw. Risiko für Mangelernährung eine ausreichende Energie- und Nährstoffaufnahme zu ermöglichen.

Für den 2020 erscheinenden 14. DGE-Ernährungsbericht stellt die DGE vorab die Ergebnisse einzelner BMEL-geförderter Forschungsvorhaben mit besonderer Aktualität vor. Das Kapitel 2 „Ernährungssituation in Krankenhäusern und Pflegeheimen – Auswertung der nutritionDay-Daten für Deutschland“ ist als Vorveröffentlichung zum 14. DGE-Ernährungsbericht online verfügbar.